Tod vom Teller

Gastbeitrag von Uli Matter

Wenn Japaner besonders mutig sind, bestellen sie Fugu Fisch. Jedes Jahr vergiften sich folglich ca drei Dutzend Fugufischesser mit dem Gift des Tieres, Tetrotodoxin (TTX). Manch einer stirbt auch daran. Eventuell ist es für die Restaurantinhaber also sinnvoll, auf Vorauskasse zu bestehen.

Besonders Risikofreudige müssen jetzt aber nicht grad nach Japan reisen. Auch unsere Fische sind ebenso eine wunderbar potentiell tödliche Ansammlung aus Gift: Mikroplastik, Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel und Antibiotika (falls Zuchtfisch). So kann man sich Gevatter Tod auch ohne Fugu nähern. Vielleicht nicht gerade in Drehsprüngen, aber beharrlich kontinuierlich.

In unseren Meeren treiben neusten Schätzungen zufolge etwa 50 Billionen Plastikteilchen herum. In ein paar Jahren wird sogar gewichtsmässig mehr Plastik in den Weltmeeren schwimmen als Fische. Zum einen handelt es sich dabei um kleingehäckseltes Grossplastik: Plastikflaschen, Plastikkanister und so weiter, die sich im Laufe der Jahre, weil nicht fotostabil, unter Sonneneinstrahlung in kleinere Partikel zersetzt haben. Verschwinden werden sie nie. Plastik ist biologisch nicht abbaubar, es wird nur immer kleiner.

plastikmüll

Bild: Miquelito / http://www.shutterstock.com

Mikroplastik, das von vornherein schon Mikroplastik ist, kommt aus den Haushalten oder von den Strassen. Es ist Bestandteil von z.B. Zahnpasta, Reinigungsgels und Duschpeelings. In europäischen Gewässern finden sich anteilsmässig mehr Mikroplastikfasern, die bei jeder Wäsche aus Kleidern mit Plastikanteil herausgewaschen wurden und von keiner Kläranlage herausgefiltert werden können. Dann gibt es noch Mikroplastik vom Reifenabrieb auf den Strassen, der dann mit dem nächsten Regen in das nächste Gewässer gespült wird und schlussendlich im Meer landet.

Mikroplastik ist für junge Fische eine tolle Sache: Da so ubiquitär vorhanden, wird es gerne und reichlich gefressen. Fischeier zum Fressen gibt es eh nicht mehr viele.

Ok, was interessiert den Fischesser das bisschen Toys `R` Us im Fischmagen? Nicht ganz unwichtiges Detail: Zum einen bindet Mikroplastik andere Toxine wie Schwermetalle wie ein Schwamm. Zum anderen kann es die Darmwand passieren und sich in Fischfleisch und Fischfett einlagern. Wird dann der kleine, mikroplastikundschwermetallverseuchte Fisch von einem anderen Fisch gefressen und der wieder von einem anderen, grösserem, und so weiter und so grausam, das ist nunmal die Natur, akkumulieren sich Plastik und Schwermetalle im marinen Endverbraucher. Thunfisch, Hai, Heilbutt oder Wal beispielsweise. Die dann irgendwann als Sushi oder Käptn XY auf dem Teller des grössten und erfolgreichsten Raubtieres dieses Planeten landen: des Menschen.

Wer nun meint, das bisschen Quecksilber würde von den supergesunden Omega-3-Fettsäuren aufgewogen, dem sei gesagt, dass da ein paar Wissenschaftler eine Studie zu Gunsten der Fischindustrie gedreht haben. Soll vorkommen. Wissenschaftler sind im Allgemeinen lausig bezahlt.

Wer der Begegnung mit dem Sensenmann dann noch ein bisschen Schub geben möchte, der begebe sich nach Norwegen. Dort bekommt man Walfleisch in rauen Mengen nachgeworfen, denn der norwegischen Regierung ist es lieber, die jungen Männer des Landes auf einem Walkutter als in sonst irgendeiner schlechten Gesellschaft zu wissen. Drum wird der Walfang immer noch grosszügig alimentiert, die Jungs dürfen mit den dicken Kanonen spielen, bewegen sich an der frischen Luft und machen sonst keinen Blödsinn. Nur ist das Walfleisch für den menschlichen Verzehr nicht geeignet. Der Quecksilbergehalt ist immens. Aber – no risk no fun, also ab damit auf den Grill und in den Schlund. Was die Japaner können, können wir anderen schliesslich auch.


Uli Matter ist Biologin, Journalistin, in Ausbildung zur PR-Redakteurin, Teetrinkerin und Dompteuse von vier Teenagern, wohnhaft in der Schweiz.


 

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